Die häufigsten Herpesviren im Überblick

Der Aufbau einer Herpeszelle

Herpesviren entwickeln sich bereits seit 200 Millionen Jahren und acht Arten sind dafür bekannt, Menschen zu befallen. Viele verbinden Herpes mit Bläschenbildung, doch die Symptome sind, je nach Viren-Art, wesentlich umfangreicher.

Fähigkeiten der Herpesviren

Sie führen zu Erkrankungen von:

  • Schleimhäuten
  • Haut
  • Augen
  • Nervensystem

und im schlimmsten Fall zur Tumorbildung. Wenn Herpesviren mit anderen Erregern zusammenwirken, sind sie Auslöser von Windpocken, Gürtelrose, oder Pfeifferschem Drüsenfieber. Die meisten Menschen infizieren sich im Kindesalter mit dem Virus. Etwa 90 Prozent der Weltbevölkerung sind mit einem Herpesvirus infiziert sind, viele ohne es zu wissen – denn Herpesviren sind typischerweise sehr lange im Wirtskörper latent.

#1: Alpha-, Beta-, und Gamma-Viren

 

 

  • Die acht für den Menschen schädlichen Herpesviren lassen sich in drei Gruppen unterteilen. Alpha-Viren teilen sich sehr schnell und befallen die Ganglienzellen des Nervensystems. Im Zellkern des Neuron sind sie vor dem Immunsystem geschützt, und leben dort bis zum Tod des Wirts. Diese Viren werden Herpes simplex-Viren genannt (HSV) – Lippenherpes, Genitalherpes und das Varizella-Zoster-Virus fallen in diese Kategorie.

 

  • Beta-Herpesviren vermehren sich langsamer und führen zu starker Vergrößerung der befallenen Zellen. Diese Humanen Herpes-Viren (HHV) sind Cytomegalievirus (HHV-5), HHV-6 und HHV-7.

 

  • Gamma-Viren lassen sich nicht anhand einer Teilungszeit kategorisieren. Sie können bösartige Krankheiten hervorrufen. In diese Kategorie gehören das Epstein-Barr-Virus (HHV-4) und HHV-8.

 

#2: HSV1 – das häufig vorkommende Lippenherpes

 

Die Inkubationszeit nach Erstinfektion mit HSV1 liegt zwischen drei und sieben Tagen. Eine erneute Infektion kann durch Schlafmangel und Stress, oder Fieber und Krankheitserreger ausgelöst werden. Es ist auch bekannt, das hohe Emotionen (zum Beispiel Ekel) einen Ausbruch auslösen.

 

Lippenherpes ist die häufigste Form von Herpes

Lippenherpes ist die häufigste Form von Herpes

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das HSV1 ist der harmloseste Herpesvirus und führt lediglich zu Bläschenbildung ausgehend vom Ort der Ansteckung, häufig an Lippen und Mundschleimhaut. Selten ist der Krankheitsverlauf heftiger: wenn der Virus über die Schleimhäute in Lunge oder Schläfenlappen wandert, führt das zu Krämpfen, Lähmungen oder zum Koma. Verbleiben diese Fälle unbehandelt, verlaufen sie tödlich.

 

#3: HSV2 – das seltenere Genitalherpes

 

Durch diverse sexuelle Praktiken können HSV1 Erreger zu Genitalherpes führen. Daher ist eine Infektion mit HSV2 eine Geschlechtskrankheit. Bei gesunden Menschen ist diese Herpesart in der Regel problemlos. Die Bläschen an Vagina, Penis oder Anus sind unangenehm und die Region um die Bläschen ist schmerzhaft gereizt, was zu Problemen beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr führt.

 

Die Inkubationzeit ist sehr kurz und beträgt nur wenige Stunden. Ein stummer Krankheitsverlauf ohne jeglichen Ausbruch ist möglich und auch HSV2 überlebt bis zum Tod des Wirts latent im Körper. Daher ist lediglich eine möglichst rasche Behandlung der Symptome möglich (um weitere Ansteckungen zu verhindern), eine Heilung von dem Virus jedoch nicht.

 

#4: Windpocken und Gürtelrose durch das Varizella-Zoster-Virus

 

In der Medizin ist HHV-3 als Varizella-Zoster-Virus bekannt. Es ist Auslöser der Kinderkrankheit Windpocken, die eine Erstinfektion mit dem Virus darstellt. Eine Reaktivierung der Viren führt zur Gürtelrose, auch Herpes Zoster genannt. Diese Krankheit kann durch äußere Einflüsse wie Stress, Infektionen oder emotionale Schwankungen ausgelöst werden.

 

Gegen Windpocken bildet der Wirt Antikörper, diese schützen aber lediglich gegen eine Neuinfektion, nicht gegen die Aktivierung latenter Viren. Eine Ansteckung mit HHV-3 erfolgt durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion, solange die Blasen (Windpocken oder Gürtelrose) vorhanden sind.

 

Prodromale Symptome von Herpes Zoster umfassen Müdigkeit, Schmerzen und Kribbeln der Haut. Danach tritt ein Exanthem in Erscheinung, dass auf einen Hautbereich begrenzt ist. Ein gesunder Mensch erkrankt nur einmal im Leben an Gürtelrose, bei Risikogruppen mit Immunschwäche kann es zu Rezidiven kommen.

 

#5: Das Epstein-Barr-Virus – Auslöser von Pfeifferschem Drüsenfieber

 

Das HHV4 ist unter dem Namen Epstein-Barr-Virus bekannt. Es führt zur Erkrankung mit infektiöse Mononukleose (Pfeifferisches Drüsenfieber), die sich typischerweise durch angeschwollene Lymphknoten, Fieber, und Schluckbeschwerden zeigt.

 

Eine Infektion wird durch relativ erhöhte Lymphozytenanzahl diagnostiziert. Weiterhin auffällig ist das Vorhandensein von mehreren IgM-Antikörpern, welche serologisch auf lang zurückliegende Impfungen oder Krankheiten reagieren wollen. Das geschieht, weil HHV4 die B-Gedächtniszellen infiziert und diese dadurch wieder positive IgM bilden können.

 

HHV4 hat eine doppelsträngige DNA und wird hauptsächlich durch Tröpfchen- und Kontaktinfektion übertragen. Eine Ansteckung durch Transfusion oder Transplantation ist selten. Auch die Infektion auf sexuellem Übertragungsweg ist nach neuster Forschung denkbar.

 

Anders als bei anderen Herpesarten kann der Körper gegen HHV4 Antikörper bilden, sodass eine erneute Erkrankung ausgeschlossen ist, wenn das Virus reaktiviert wird. Patienten mit unterdrückter Immunreaktion, zum Beispiel HIV Patienten oder Organempfänger, können jedoch nicht auf das Virus reagieren. Daher wird HHV4 mit der Entstehung einiger Krebsarten in Verbindung gebracht, so zum Beispiel Lymphdrüsenkrebs.

 

#6: Cytomegalievirus – harmlos für Immungesunde

 

Hinter dem Cytomegalievirus (auch Zytomegalie) versteckt sich das Humane Herpes-Virus 5, HHV5. Die Infektion erfolgt durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten sowie durch Bluttransfusion. Der sich langsam vermehrende Virus ist weltweit verbreitet. Er kann zu Zytomegalie (Riesenzellbildung) führen, obwohl die Krankheit in der Regel nicht in Erscheinung tritt. Nur bei Patienten mit Immunschwäche führt der Virus zu lebensbedrohlichen Komplikationen. Dazu zählen Pneumonie, Myokarditis oder Thrombozytopenie. Bei Transplatationspatienten kann es zur Abstoßung des Spenderorgans kommen. Bei vielen AIDS-Patienten, die sich nicht in Therapie befinden, greift HHV5 auf die Netzhaut über und führt zur Erblindung. Es gibt noch keinen wirksamen Impfstoff auf dem Markt.

 

#7: Humanes Herpesvirus 6 – von Dreitagefieber zur Multiple Sklerose

 

Das Humane Herpesvirus, auch HHV6 genannt, ist gefährlich für den Wirt, da es die T-Zellen befällt. Dies betrifft häufig Patienten, die eine Autoimmunerkrankung haben oder immunsuppressiv sind. HHV6 kann auch selbst die Immunfunktion des Körpers unterdrücken. Das Virus breitet sich über die Nervenbahnen bis in die Gliazellen und Neuronen des Gehirns.

 

Ist das zentrale Nervensystem infiziert und andere Erreger kommen hinzu, kann diese Herpesart zum Beispiel zu Multiple Sklerose, Pneumonie oder Meningitis führen. Eine Diagnose ist durch Laboruntersuchungen von Blut, Speichel oder Stuhl möglich. HHV6 hat einen zytopathischen Effekt auf die betroffenen Zellen, da es Wachstumsproteine beeinflusst und zu degenerativen Veränderungen führt. Bei Erstinfektion führt HHV6 zu einem komplikationslosen Dreitagefieber. Sehr selten erkranken Patienten an chronischem Erschöpfungssyndrom.

 

#8: HHV8 oder Kaposi-Sarkom-Herpesvirus

 

Das Kaposi-Sarkom Virus überträgt sich durch den Speichel auf sexuelle oder asexuelle Wege. Eine Infektion wird serologisch diagnostiziert. Das Virus hat einen sehr komplexen Aufbau und ist daher in der Lage, die Wirtszellen zu beeinflussen und Tumore auszulösen.

 

Diese treten bei immunschwachen Patienten in Form von Karposi-Sarkom oder Lymphonen in serösen Körperhöhlen auf, bei gesunden eher selten. HHV8 gehört zu den human cancerogen Viren, die etwa 15 Prozent der Krebsfälle auslösen. Wesentlich einflussreicher ist es in Verbindung mit HIV, in der es vaskulär neoplastisch wirkt und die namens-gebenden Karposi-Sarkome formt. Diese treten auch bei HIV-positiven Patienten nur auf, wenn diese auch mit HHV8 infiziert sind.
Bildquellen: Copyright © healthexpress.de


Ein Kommentar

  1. […] verantwortlich. Neuere Studien kommen zu dem Schluss, dass Alzheimer möglicherweise durch das Herpes-Virus verursacht wird. Damit wäre die Erkrankung […]

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