Enzephalitis durch Herpes

herpes-enzephalitis

Das Wort „Enzephalitis“ bezeichnet den Fachbegriff für eine Entzündung der Gehirns. Sie ist meist infektiös bedingt, also wird durch Viren hervorgerufen. In selteneren Fällen können auch Bakterien, Protozoen (Einzeller) oder Pilzbefall eine solche Hirnentzündung hervorrufen.

Ein Zehntel bis Zwanzigstel aller durch Viren entstandenen Erkrankungen dieser Art sind vom Typ der Herpes-Enzephalitis, mit Fachbegriff Herpes-simplex-Enzephalitis. Sie wird in 95% der Fälle durch den Herpes-simplex-Virus 1 verursacht. Nicht zu verwechseln ist dies mit einer Erkranung an Lippenherpes, diese Form des Herpes korreliert nicht mit einer Enzephalitis, auch nicht bei häufigem Auftreten und Rückfällen.

Die durch Herpes-simplex-Viren hervorgerufene Enzephalitis befällt beide Geschlechter gleichermaßen, sporadisch und ohne regionale Eingrenzung. Am häufigsten erkranken Menschen zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr, danach nimmt die Erkrankungswahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter ab. Wie bei Herpeserkrankungen typisch sind nur ein Drittel aller weltweiten Fälle Erstinfektionen. Die restlichen Patienten leiden an Rückfällen, da die Herpesviren lebenslang in Nervenknoten im Körper verbleiben und von Zeit zu Zeit reaktiviert werden.

Die Herpes-Enzephalitis ist eine sehr schwere Erkrankung und die am häufigsten tödlich verlaufende Form der virenindizierten Hirnentzündung.

Der Verlauf der Herpes-simplex-Enzephalitis ist von rasch aufeinanderfolgenden Stadien gekennzeichnet. Die erste Phase unterscheidet sich äußerlich nicht von einer allgemeinen Viruserkrankung und dauert ein bis vier Tage an. Danach kann es zu psychosomatischen Störungen kommen wie Einschränkungen des Sprechvermögens, Desorientierung, Verwirrung, Verhaltensändeurngen und häufig auch Wahrnehmungsveränderungen, insbesondere des Geruchsinnes. Daraufhin steigt das Fieber meist auf über 39° an und der Körper des Patinenten beginnt zu krampfen. Die Krampfanfälle beginnen in kleinen Bereichen und können sich im Verlauf auf den ganzen Körper ausbreiten.
Einen tödlichen Ausgang kann die Krankheit sehr schnell oder erst nach Monaten nehmen, da hierfür der ansteigende Hirndruck verantwortlich ist, der Hirnareale bis hin zur Irreversibilität schädigt.

Zur Therapie der Enzephalitis werden Mittel gegen Herpes gegeben. Schon beim Verdacht auf eine Herpes-simplex-indizierte Enzephalitis wird prophylaktisch der Stoff Aciclovir für mindestens drei Wochen intravenös verabreicht. Bei einer Resistenz des Virenstammes gegen den Stoff gibt es zwei alternative Wirkstoffe, Foscarnet und Ganiclovir. Kann eine bakterielle Ursache nicht ausgeschlossen werden, wird zusätzlich Cephalosporin gegeben, bei bestimmten Bakterienstämmen in Kombination mit Ampicillin.
In Sonderfällen ist ein neurochirurgischer Eingriff nicht zu umgehen. Krankhafte Flüssigkeitsansammlungen im Hirn (Hirnödeme), die durch die Infektion ausgelöst werden können, und Nekroseherde werden so entfernt, zudem kann so eine Druckentlastung für das Hirn zu einer Linderung der Symptome führen und eine Unterstützung der Therapie sein.

Eine unbehandelte Herpes-simplex-Viren-Enzephalitis verläuft in 80% aller Fälle tödlich, eine frühzeitige Behandlung senkt dieses Risiko auf 20%. Allerdings verbleiben bei der Hälfte aller Patienten dauerhafte neurologische Schädigungen wie Gedächtnisstörungen, Persönlichkeitsveränderungen und epileptische Anfälle. Zudem ist das Risiko einer nachfolgenden Depression sehr hoch.


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