Herpes bei Pferden – von den Symptomen bis zur Impfung

Herpes bei Pferden kann tödlich enden (Bildquelle: BigStock-ID: 60277439 by SnelsonStock)

Bei Pferden ist Herpes keine Seltenheit. Bis zum dritten Lebensjahr kommen 70-80 Prozent aller Pferde mit der Infektion in Kontakt. Mittlerweile wird unter mehreren Herpesviren unterschieden, allerdings hat sich in der Vergangenheit der Equinen Herpesvirus 1 (EHV-1) am stärksten verbreitet.

Der Erreger gelangt über die Atemwege in den Körper und wird durch Husten oder Nasenausfluss wieder ausgeschieden. Bei einem schwachen Immunsystem manifestiert sich die Infektion in den Luftwegen des Pferdes. Dies kann unter schweren Umständen sogar zu einer Lungenentzündung führen. Ohne Behandlung kann die Infektion tödlich enden. Übersteht das Pferd den Herpes, konnte das Virus dennoch nicht eliminiert werden. Stattdessen verbleibt der Erreger in den Nervenzellen des Körpers und bricht bei einer Immunschwäche erneut aus. Eine weitere Form der Infektion ist der Equines Herpesvirus 2 (EHV-2). Der Erreger wird durch den direkten Kontakt übertragen. Er befällt die Atemwege und führt zu einer Entzündung der Bindehaut und Hornhaut am Auge. Eine gutartige Genitalinfektion bildet schließlich der Equines Herpesvirus 3 (EHV-3). Die Infektion wird über den Deckakt übertragen und führt zu einer Bläschen- und Pustelbildung. Hinzu kommen Erosionen des Genitalbereiches. Nach der Infektion leidet das Pferd unter Herpes das ganze Leben, weshalb es aus der Zucht ausgeschlossen werden muss.

Krankheitsbilder und Symptome von Pferde-Herpes

Im Folgenden wird der Equinen Herpesvirus 1 (EHV-1) in seinem Verlauf näher beleuchtet. Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 10 Tagen äußert sich die Herpesinfektion durch eine erhöhte Körpertemperatur von bis zu 39 Grad Celsius. Die Fieberphase kann bis zu einer Woche anhalten und geht mit einer plötzlichen Appetitlosigkeit einher. Nach einer Woche leidet das Pferd unter einem Nasen- und Augenausfluss. Daran schließt sich zeitweises Husten an. Verläuft die Erkrankung ohne Komplikationen, klingt die Erkrankung nach zwei Wochen wieder ab. Andernfalls kann es zu einer Ausbreitung der Viren auf die Bronchien kommen. In besonders schweren Fällen treten neurologische Erkrankungen auf. Nach den ersten zwei Wochen können Bewusstseinstörungen und Bewegungsstörungen der Hinterhand festgestellt werden. Hinzu kommen Blutungen in das Rückenmark, die Koordinations- und Sensibilitätsstörungen auslösen können. Eine fortschreitende Bewegungsunfähigkeit kann sogar zum Tod des erkrankten Tieres führen. Übersteht das Pferd den Herpes, können langfristige Folgen aber nicht ausgeschlossen werden. So weisen betroffene Pferde eine Lähmung von ganzen Körperregionen auf. Eine symptomatische Verbindung zu einem menschlichen Herpesvirus konnte bislang nicht bestätigt werden. Allerdings ähnelt die menschliche Infektion Herpes genitalis dem Equines Herpesvirus 3 (EHV-3) im Krankheitsverlauf.

Diagnose und Quarantäne

Zum Virusnachweis wird ein Tupfer der Nüsternschleimhaut entnommen. Mit dem PCR-Verfahren (Polymerase Kettenreaktion) wird die Probe untersucht. Da eine Zellkultur angelegt werden muss, nimmt die Testung mehrere Tage in Anspruch. Zur Untermauerung der Diagnose erfolgt ein indirekter Virusnachweis, bei dem die gebildeten Antikörper des Pferdes untersucht werden. Die Testung erfolgt mit dem Virusneutralisationstest, wozu eine Blutprobe benötigt wird. Nach einigen Tagen wird eine erneute Probe entnommen, woraufhin der Antikörpergehalt der beiden Proben untersucht werden kann. Fallen beide Tests positiv aus, ist das Pferd mit Herpes infiziert. Bei einem negativen Test kann eine dennoch vorliegende Infektion nicht ausgeschlossen werden. Daher ist es wichtig, das Pferd bei Verdacht weiterhin unter Beobachtung zu halten. Ist das Pferd mit Herpes infiziert, muss es von anderen Pferden isoliert werden. Bei der Nahrungsmittelversorgung müssen zudem die Hygienemaßnahmen nach dem Tierseuchengesetz beachtet werden. Darüber hinaus wird das Tragen einer Schutzkleidung empfohlen. Insbesondere ist das Wechseln von Stiefeln und Handschuhen anzuraten. An Übungen und Turnieren darf ein Pferd mit Herpes nicht teilnehmen. Dies gilt noch zwei Wochen nach dem Abklingen der Symptome.

Therapie von Herpes bei Pferden

Nach wie vor gibt es keine Therapie, die der Virusinfektion direkt entgegenwirken würde. Stattdessen besteht das Ziel der Behandlung in der Stärkung des Immunsystems und in der Linderung der Symptome. Eine gute Haltung und eine ausreichende Fütterung spielen hierbei eine wichtige Rolle. Als Futterzusatz kann ein Paraimmunitätsinducer verwendet werden. Hinzu kommen Medikamente zur Unterstützung des Kreislaufes sowie Präparate zur Hemmung von Entzündungen. Antibiotika werden dann verschrieben, wenn eine bakterielle Sekundärinfektion auftritt. Bei Komplikationen wird ein gerinnungsförderndes Medikament verschrieben. Daran schließen sich Zusätze mit B-Vitaminen an. Zuletzt kann die Behandlung um ein Virostatikum ergänzt werden. Dabei handelt es sich um einen Wirkstoff, der die Vermehrung des Virus hemmen kann.

Impfung gegen Herpes

Bislang ist es mit einer Impfung nicht möglich, ein Pferd vor Herpes zu schützen. Allerdings verläuft die Erkrankung in einem milderen Verlauf ab, wenn das Pferd gegen Herpes mit einem Impfstoff immunisiert wurde. Auch treten Komplikationen und Rückschläge in einem geringeren Ausmaß auf. Bei den Impfstoffen kann unter einem Lebendimpfstoff und einem Totimpfstoff unterschieden werden. Ersterer enthält Viren in abgeschwächter Form, gegen die das Pferd Abwehrkräfte bilden kann. Bei einem Totimpfstoff werden dagegen die Viren in einer abgetöteten Form injiziert. Unter den Impfstoffen haben sich Prevaccinol, Duvaxyn und Resequin NN plus am besten durchsetzen können, da sie insbesondere gegen EHV-1 eine hohe Wirkung entfalten.

Eine Impfung ist bereits ab dem fünften Lebensmonat möglich. Die Impfung wird zu diesem Zeitpunkt aber nur empfohlen, wenn die Mutter selbst keine Immunisierung erhalten hat. Andernfalls sollte mit einer Impfung bis zum achten Lebensmonat gewartet werden. Ein frühes Impfen kann nämlich zu einer Wechselwirkung führen und mit einer Unterdrückung der Immunreaktion einhergehen. Die Immunisierung gelingt mit drei Impfungen. Die ersten beiden Impfungen werden in einem Abstand von ein bis zwei Monaten injiziert. Eine dritte Impfung erfolgt nach weiteren 6 Monaten. Wiederholungsimpfungen werden in einem Abstand von höchstens 12 Monaten durchgeführt. Einer Infektion kann ferner mit einer guten Haltung und einer nahrhaften Fütterung vorgebeugt werden. Das Allgemeinbefinden des Pferdes wirkt sich auf das Immunsystem und damit auf die Widerstandsfähigkeit gegen Herpes aus. Dies ist auch bei möglichen Transporten, Ausritten und Turnieren zu beachten.

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