Herpes im Ohr

Herpes im Ohr sollte nicht unterschätzt werden (Quelle: Bigstock-ID-60789929-by-Von Schonertagen)

Herpes im Ohr – medizinisch Zoster oticus – ist eine landläufig weniger bekannte Form von Herpes. Die typischen Herpesbläschen befinden sich bei Zoster oticus nicht an den Lippen oder im Mund, sondern am oder im Ohr.

Definition

Herpes zoster oticus ist auch unter dem Begriff Rumsay-Hunt-Syndrom bekannt. Wie bei der Gürtelrose, zu der Zoster oticus eine Sonderform bildet, geht Herpes im Ohr auf eine Grunderkrankung durch den Varizella-Zoster-Virus zurück. Dieser Virus wird auch als Humanes-Herpes-Virus-3 bezeichnet.

Symptome und Verlauf

Ein Großteil der Bevölkerung (über 90 %) ist mit dem Varizella-Zoster-Virus infiziert. Es wird mittels Tröpfcheninfektion übertragen. Bei der Erstinfektion zeigt sich der Virus in Form von Windpocken. Nach Durchleben einer Windpocken-Erkrankung ist der Patient für den Rest seines Lebens immun gegen Windpocken. Bei einem Teil von Betroffenen kommt es jedoch nur zur Teilimmunisierung. In diesen Fällen kann später, meist im Alter von über 40 Jahren, eine Gürtelrose entstehen. Herpes zoster oticus ist eine mögliche Form der Gürtelrose.
Auslöser ist eine Reinfektion mit dem Varizella-Zoster-Virus oder eine Reaktivierung der ursprünglich zugezogenen Viren, die im Wirbelkanal Jahre überdauern können. Zu solch einer Reaktivierung kommt es, wenn das Immunsystem nachlässt, beispielsweise auf Grund von Alter, im Zusammenhang mit der Unterdrückung des Immunsystems nach Transplantationen oder anderen Erkrankungen, die das Immunsystem betreffen. Stark gefährdet sind vor allem HIV-Infizierte. Herpes am Ohr kann aber auch noch andere Gründe haben, wie zum Beispiel:

  • Röntgenbestrahlung
  • UV-Strahlung
  • Kontakt mit giftigen Substanzen auftreten

Eine Infektion kündigt sich zunächst mit unspezifischen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit sowie Kopf- und Gliederschmerzen an. Später kommt der typische Zoster-Schmerz hinzu. Bei Herpes im Ohr schmerzen vor allem die Bereiche im und um das Ohr, das seitliche Gesicht sowie der Nacken.
Bei Zoster oticus zeigen sich im weiteren Verlauf die charakteristischen Bläschen außen am Ohrläppchen und auf der Ohrmuschel sowie im Gehörgang und auf dem Trommelfell. Sie können sich bis auf die Seite des Halses, die Zunge und den weichen Gaumen erstrecken. Die Bläschen kündigen sich durch eine leicht erhobene, scharf umrandete Hautrötung an. Innerhalb von zwei bis drei Tagen erscheinen sie perlartig mit klarer Flüssigkeit gefüllt und gespannt. Die Größe entspricht der eines Stecknadelkopfes oder Reiskorns. Innerhalb von sieben Tagen wird der Inhalt der Bläschen eitrig, dann heilen sie krustig ab. Die Rötung verschwindet. Häufig bleiben Narben in Form von hellen oder dunklen Hautflecken (Hyper- bzw. Hypopigmentierung). Narben treten vor allem dann auf, wenn es an den entzündeten Hautarealen zu einer bakteriellen Zweitinfektion kommt.

Gefährliche Nebenwirkungen

Bei manchen Erkrankten greifen die Viren in der ersten oder zweiten Woche der Erkrankung auf den Nervus facialis über. Dies führt zu einer unterschiedlich stark ausgeprägten Lähmung der Muskulatur im Gesicht (Facialisparese). Sie zeigt sich in der Unfähigkeit, die Stirn zu runzeln und das Lid vollständig zu schließen. Der Mundwinkel der betroffenen Gesichtsseite hängt herab. Geschmackssinn und Speichelproduktion sind beeinträchtigt. Auch wenn die sichtbaren Bläschen bereits abgeheilt sind, kann nach Herpes im Ohr der typische Zoster-Schmerz erhalten bleiben. Auch unspezifische Ohrenschmerzen, eingeschränkte Hörfähigkeit bis hin zur Taubheit oder eine Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen (Hyperakusis) zählen zu den beobachteten Komplikationen. In manchen Fällen bleibt der Gleichgewichtssinn eingeschränkt, was zu Schwindel, Übelkeit und Erbrechen führen kann. Zu den weiteren möglichen Komplikationen zählen eine Hirnhautentzündung, ein Übergreifen der Zoster-Erkrankung auf das gesamte Nervensystem sowie ein Absterben des Embryos während einer Schwangerschaft. Während zwei Drittel der Herpes-oticus-Erkrankungen folgenlos ausheilen und die Rückfallgefahr gering ist, sieht die Prognose bei Komplikationen im Zusammenhang mit Herpes im Ohr ungünstig aus. Gesichtslähmungen, Hörstörungen und langanhaltende Schmerzen halten oft wochen- oder monatelang an bzw. werden chronisch. Je länger die Komplikationen anhalten, desto schlechter wird die Prognose auf vollständige Genesung.

Diagnose

Die Diagnose von Herpes im Ohr ist auf Grund des klinischen Bildes zumeist unproblematisch. In Zweifels- und Problemfällen sind verschiedene Methoden des Erregernachweises möglich. Dafür wird entweder der Bläscheninhalt bzw. betroffenes Gewebe oder die Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit laboratorisch untersucht.

Behandlung

Herpes im Ohr wird mit einer antiviralen Therapie behandelt. Je früher die Behandlung beginnt, desto unproblematischer ist der weitere Verlauf der Erkrankung. Ideal ist es, wenn die antivirale Behandlung innerhalb von drei Tagen nach den ersten Symptomen beginnt. Typischerweise wird Aciclovir in Tablettenform oder als Infusion eingesetzt. Weitere mögliche Virostatika für den Einsatz bei Herpes im Ohr sind Brivudin, Famciclovir und Valaciclovir. In den meisten Fällen sprechen die Patienten innerhalb von Stunden mit einer Verringerung der Schmerzen und einer Besserung der Symptome an der Haut auf die antivirale Behandlung an. Gegen den Zoster-Schmerz helfen Schmerzmittel, Antidepressiva oder Antiepileptika. Bei starken Ohrenschmerzen helfen lokal betäubende Tropfen. Droht eine bakterielle Zweitinfektion, werden auch antibiotische Ohrentropfen eingesetzt. Nach dem Eintrocknen werden die Bläschen mit einer antiseptischen Salbe therapiert, um die Krankheitserreger abzutöten. Auf Grund der möglichen schwerwiegenden Folgeschäden, die sich aus einer Zoster-oticus-Erkrankung entwickeln können, ist Herpes im Ohr eine mögliche Indikation für eine stationäre Behandlung.

Vorbeugung

Herpes im Ohr ist nur möglich, wenn zuvor bereits eine Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus vorlag. Um diese zu verhindern, gehört eine Windpocken-Impfung zu den Standard-Impfungen für Kinder und Jugendliche. Frauen mit Kinderwunsch sollten unbedingt ihren Impfstatus überprüfen lassen, da eine Infektion während der Schwangerschaft eine Gefahr für das ungeborene Leben bedeutet. Ist bereits eine Schwangerschaft eingetreten, sollte allerdings von einer Impfung abgesehen werden.

Bildquelle: Bigstock-ID: 60789929 by Von Schonertagen


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