Übertragung

Die erste Herpes Übertragung (Primärinfektion) geschieht meist schon während der Kindheit. Das aus dem Griechischen stammende Wort „Herpes“ bedeutet sinngemäß „schleichender Schaden“ und bezeichnet eine Infektionskrankheit, welche durch Herpes-Viren hervorgerufen wird. Sobald Herpes-Viren in die Haut- und Schleimhautzellen eingedrungen sind, vermehren sie sich dort außerordentlich stark und es kommt zur Bildung von kleinen mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen. Diese enthalten Tausende neuer Viren, welche die Infektion auf andere Hautpartien oder andere Menschen weitertragen können. Auf Grund der Bläschenbildung während der Erkrankung sind auch Bezeichnungen, wie „Bläschenkrankheit“, Fieberbläschen“ oder „Bläschenausschlag“ bekannt.

Einige Herpes-Viren dringen in die Nervenfasern ein und wandern an Ihnen entlang bis zur ursprünglichen Nervenzelle, nisten sich in dieser ein und leben dort im Verborgenen unbemerkt weiter. Das Typische einer Herpes-Infektion ist, dass von Zeit zu Zeit, insbesondere bei einer Schwächung des körpereigenen Abwehrsystems, z.B. durch Erkältungen, Grippe oder andere ernsthafte Erkrankungen (beispielsweise Krebs oder Aids), Verletzungen, Entzündungen oder Zahnbehandlungen, des Weiteren auch starke Sonnenbestrahlung, Ekel oder Stress und bei Frauen die monatliche Regelblutung oder eine bestehende Schwangerschaft, die Viren sich wieder vermehren und entlang der Nervenfasern wieder zurück zu dem von ihnen versorgten Hautbezirk wandern. Durch die sich erneut bildenden Bläschen tritt die Erkrankung dann wieder in Erscheinung (Sekundärinfektion-Rezidiv). Die Erkrankung kann also im Laufe eines Lebens immer wieder durchbrechen, wobei sie zwischenzeitlich unbemerkt bleibt (Latenzphase).

Von den über vierzig verschiedenen bekannten Herpes-Viren sind fünf als Krankheitserreger beim Menschen relevant, wovon zwei besonders häufig vorkommen, das Herpes-simplex-Virus sowie das Varicella-Zoster-Virus.
Beim Herpes-simplex-Virus unterscheidet man Typ I und Typ II. Typ I verursacht Herpes-Erkrankungen oberhalb der Gürtellinie, vor allem mit Infektionen im Bereich des Gesichtes, besonders an den Lippen (Herpes labialis). Typ II ist verantwortlich für Herpes-Erkrankungen unterhalb der Gürtellinie, vor allem im Bereich der Geschlechtsorgane (Herpes genitalis).
Das Varicella-Zoster-Virus ist Erreger der Windpocken und ruft im späteren Leben die Gürtelrose (Herpes Zoster) hervor. Somit tritt im Gegensatz zu den anderen Herpes-Viren das Varicella-Zoster-Virus im Leben normalerweise nur ein- bis zweimal in Erscheinung.

Beim Herpes labialis kommt es zur Bläschenbildung im Gesicht, besonders an den Lippen sowie der Mundschleimhaut. In komplizierten Fällen kann sich der Hautausschlag bis zu den Nasenflügeln ausbreiten. Die erste Herpes Übertragung erfolgt oftmals bereits im Kindesalter durch engen Hautkontakt, z.B. einen Kuss mit einem mit Herpes-Viren infizierten Elternteil, wobei winzige Verletzungen der Lippen bereits für die Infektion genügen. Reißen Herpes-Bläschen durch unvorsichtiges Berühren ein, besteht ein besonderes Risiko der Übertragung auf andere Körperteile (Selbstinfektion). Besonders gefährdet sind hierbei die Augen.
Durch Benutzung eines lokal anwendbaren Medikamentes (Salbe, Creme) besteht Verschleppungsgefahr auf andere Körperteile, deshalb sind die Hände vor und nach der Verwendung gründlich zu reinigen. Bestecke, Geschirr, Zahnbürsten, Lippenstifte o.a. sollten nicht gemeinsam mit anderen Personen benutzt werden.

Herpes genitalis äußert sich im Bereich der Geschlechtsorgane, aber auch an After, Gesäß und Oberschenkeln. Bei Frauen erscheinen die Bläschen meist an den Schamlippen, auch am Gebärmuttermund, bei Männern an Eichel und Vorhaut. Die Herpes Übertragung geschieht durch Geschlechtsverkehr. Das Krankheitsbild ähnelt dem des Herpes labialis, verläuft allerdings meist komplizierter. Es ist zudem nicht nur sehr unangenehm, sondern vor allem bei einer Erstinfektion oft äußerst schmerzhaft, die psychische Belastung ist erheblich. Besonders unangenehm beim Herpes genitalis ist die Tatsache, dass die Erkrankung in vielen Fällen immer wieder durchbricht.

Die Primärinfektion mit dem Varicella-Zoster-Virus findet im Kindesalter, sehr häufig im Schulalter, statt und äußert sich mit den bekannten Windpocken. Die Herpes Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion, aber auch durch Hautkontakt. Der Erreger wird sehr leicht – wie mit einem Windhauch – übertragen, weshalb die Krankheit zu dem Namen „Windpocken“ kam. Die Vermeidung einer Ansteckung unter Geschwistern ist fast unmöglich und nur wenige Kinder bleiben überhaupt verschont. Erkranken diese erst verspätet im Erwachsenenalter an Windpocken, führt dies mitunter zu schweren Krankheitsverläufen.

Während der Windpocken, also nach der ersten Infektion, ziehen einige Viren in Nervenzellen nahe der Wirbelsäule und halten sich dort über mehrere Jahre ohne äußerlich sichtbare Zeichen auf. Erst im Erwachsenenalter werden sie infolge einer Schwächung des körpereigenen Abwehrsystems wieder aktiv und führen zu Herpes Zoster. Der gürtelförmige Hautausschlag im Lendenbereich brachte ihm den Namen Gürtelrose. Der Ausschlag kann auch an Kopf oder anderer Stelle auftreten, ist normalerweise aber streng auf eine Körperseite beschränkt. Bei zusätzlichen anderen schweren Erkrankungen, die zur Schwächung der körpereigenen Widerstandskraft führen, kann die Gürtelrose sich über den ganzen Körper ausbreiten.

Obwohl es noch kein Medikament gibt, mit dem man sich vor einer Ansteckung mit einem Herpes-Virus schützen kann, so verfügen Ärzte heute jedoch über wirksame Medikamente, die der Vermehrung der Viren entgegenwirken und somit helfen, den Krankheitsverlauf abzumildern oder einen erneuten Ausbruch der Erkrankung zu verhindern, wobei mit der Behandlung so früh wie möglich begonnen werden sollte.