Herpes verursacht Zahnschäden – Mythos oder Wahrheit?

Herpes kann sich schnell im Mundraum und an den Zähnen verbreiten (Quelle: Bigstock-ID-66067081-by-dashek)

Herpes – unangenehme Bläschen, die nicht nur unschön aussehen, sondern in der Regel auch als extrem störend und zum Teil sogar schmerzhaft empfunden werden. Der Verursacher einer solchen Herpes ist in etwa 90 verschiedenen Herpesviren zu finden, von denen die meisten Arten für den Menschen vollkommen ungefährlich sind.

Die bekanntesten Formen von Herpes

der Herpes Simplex Virus 1 (HSV1) sowie der Herpes Simplex Virus 2 (HSV2). Nach erstmaliger Infektion verbleiben beide Virusarten für immer im menschlichen Körper, genauer gesagt:
  • ✔ in den Ganglien (Nervenknoten)
  • ✔ in den Epithelzellen (Epithel: Deck- und Drüsengewebe)
  • ✔ im Speicheldrüsengewebe

Der Herpes Simplex Virus 1 (HSV1) ist hauptsächlich für den weit verbreiteten Lippenherpes (Herpes labialis) verantwortlich, welcher allerdings auch an den Augen, der Nase und den Ohren in Erscheinung treten kann. Etwa 80 % der Deutschen infizieren sich bereits als Baby oder Kleinkind mit diesem Virus, doch bricht der Lippenherpes nicht zwangsläufig bei allen aus. Die Ansteckung mit dem Herpes Simplex Virus 2 (HSV2) hingegen erfolgt in der Regel erst während der Pubertät, also mit Beginn der ersten Intimitäten. Diese Virusart zeigt sich zumeist in Form einer schweren Genitalherpes (Herpes genitalis), allerdings sind etwa 20 – 30 % der Deutschen durch Antikörper geschützt.

Verursacher mehrerer Krankheiten

Herpesbläschen am Mund – oder auch an anderen Körperstellen – sind zwar unangenehm, doch im Normalfall bildet sich der Ausschlag unter einer schorfartigen Kruste nach rund acht bis zehn Tagen von selbst zurück. Oder wie der Volksmund weiß: Drei Tage kommt die Infektion, drei Tage bleibt sie, drei Tage geht sie. Sollte der Patient allerdings den Humanen Immundefizienz Virus (HIV) in sich tragen oder sich kürzlich einer Organtransplantation unterzogen haben, so kann die Herpesinfektion tatsächlich auch ein tödliches Ende finden.
Herpesviren gelten außerdem als Verursacher weiterer, durchaus ernsthafter Erkrankungen:

  • Varizella-Zoster-Virus (VZV): Windpocken und Gürtelrose
  • ✔ Epstein-Barr-Virus (EBV): Pfeiffersches Drüsenfieber
  • ✔ Humaner Cytomegalie-Virus (HCMV): infektiöse Komplikationen während der Schwangerschaft bis hin zu Fehlbildungen des Säuglings
  • ✔ Humaner Cytomegalie-Virus (HCMV) und Epstein-Barr-Virus (EBV): Tumore

Parodontitis: Brutstätte der Herpesviren

Da die Herpesviren jederzeit an die Hautoberfläche gelangen und durch äußere Reize reaktiviert werden können bzw. auch schon im menschlichen Speichel nachgewiesen wurden, steht fest, dass Herpes nicht nur „am“, sondern auch „im“ Mundraum existiert und ausbricht. Neuesten Erkenntnissen zufolge bieten auch Patienten mit parodontalen Zahnschäden insbesondere den Epstein-Barr- (EBV) und Cytomegalie-Viren (HCMV) einen optimalen Nistplatz und begünstigen so die Verbreitung über Zähne und Speichel. Zudem belegt eine im Jahr 2005 durchgeführte Untersuchung den eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Schweregrad einer bestehenden Parodontitis und dem Herpes Simplex Virus 1 (HSV1). Dies legt die Vermutung nahe, dass auch die Kombination verschiedener Familien von Herpesviren eine wesentliche Rolle für die Mund- und Zahngesundheit spielt. Unterstützt wird die These, dass sich die Parodontitis als günstig für die Verbreitung von Herpesviren erweist, durch eine weitere Studie aus dem Jahr 2011:

  • Untersucht wurden Speichel und Zähne von rund 20 Patienten, die unter einer chronischen bzw. aggressiven Form der Parodontitis litten. Über virologische Proben, die vor, während und auch nach der Parodontitis-Behandlung entnommen wurden, sollten die Cytomegalie-Viren (HCMV) sowie die Epstein-Barr-Viren (EBV) identifiziert und mengenmäßig erfasst werden. Das Ziel war es, festzustellen, inwieweit eine entsprechende Parodontitis-Therapie auch die Quantität der Herpesviren im Speichel zu beeinflussen vermag, um so nicht nur das generelle Risiko eines Herpesausbruchs zu reduzieren, sondern auch die hohe Infektionsgefahr für Verwandte und nahestehende Personen zu senken.
  • ➩ Das Ergebnis: Tatsächlich führte die zahnmedizinische Behandlung der Patienten zu einer deutlich geringeren Virenbelastung im Speichel. Alle Studienteilnehmer freuten sich über gesunde Zähne, aber auch über das Ausschalten einer signifikanten Quelle für infektiöse Herpesviren. Eine erfolgreich durchgeführte Parodontitis-Therapie verhindert also den Fortbestand der EBV- und HCMV-Viren.

Effektiver Schutz vor der Herpesinfektion

Lippenherpes lässt sich äußerst effektiv mit sogenannten Herpescremes behandeln, die z. B. aus einer konzentrierten Melissen-Creme bestehen und rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich sind. Schon beim ersten Ziehen und Zwicken wird die Creme hauchdünn auf die betroffene Stelle an Lippe – oder auch unter der Nase – aufgetragen, wo sie weitere Eingänge an den Hautzellen blockiert. Der Virus kann sich infolgedessen nicht weiter ausbreiten und der endgültige Ausbruch der Herpesinfektion wird erfolgreich unterdrückt. Im Mund selbst ist es nicht nur schwierig, eine Creme auf feuchte Schleimhäute – oder gar Zähne – aufzutragen, es verursacht zudem auch einen äußerst bitteren, unangenehmen Geschmack. Hier bewähren sich Virustatika Tabletten zur Vorbeuge wie auch für eine Behandlung in akuten Stadien dieser Virusinfektion.

Wer sich mit besonders hartnäckigen und relativ häufig auftretenden Herpesausbrüchen quälen muss, der sollte zusätzlich darauf achten:

  • ✔ Reizungen – z. B. durch Sonnenbrände – zu vermeiden
  • Stressbelastungen abzubauen
  • sein Immunsystem zu stärken
  • ✔ eine sorgfältige Mundpflege durchzuführen
  • ✔ regelmäßigen Termine beim Zahnarzt nicht zu versäumen, denn: Je weniger Zahnschäden durch Parodontitis bestehen, umso weniger Nistplätze finden sich für den Herpesvirus

➩ Fazit

Es ist nicht der Herpesvirus, der Zahnschäden versursacht – vielmehr sind es die parodontalen Taschen an den Zähnen, die eine Verbreitung des Herpesvirus über den Speichel sowie das Risiko der Ansteckung nahestehender Personen begünstigen.

 

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